Demo für mehr Akzeptanz und Sichtbarkeit

Schwule und lesbische Lehrkräfte der GEW NRW setzen sich beim Cologne Pride für sexuelle und kulturelle Vielfalt ein

Als krönender Abschluss des ColognePride fand am 9. Juli 2017 in Köln die Demo zum Christopher Street Day (CSD) für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgendern und Intersexuellen (LSBTI) statt. Insgesamt demonstrierten 30.000 Teilnehmer*innen in 99 Gruppen. Mit dabei waren die schwulen und lesbischen Lehrkräfte der GEW, die gemeinsam mit drei befreundeten Gruppen – der DGB-Jugend, dem Verein der lesbischen Lehrerinnen NRW und dem ver.di AK LSBTI – Präsenz zeigten.
Demo für mehr Toleranz und Sichtbarkeit

Foto: RainerSturm/pixelio.de

Die meisten Lehrkräfte der etwa 20-köpfigen GEW-Gruppe kamen aus Köln und Düsseldorf. Aber auch andere über die GEW organisierte Lehrkräftegruppen aus dem Ruhrgebiet und aus Münster sowie befreundete Kollegen aus Mainz, Berlin und Bayreuth reisten nach Köln, um am Demonstrationszug teilzunehmen. Mit der Gruppe der lesbischen Lehrerinnen kamen noch einmal zehn Unterstützerinnen dazu.

Die Teilnehmer*innen setzten sich in diesem Jahr „für sexuelle und kulturelle Vielfalt“ und – abgestimmt auf das Motto „Nie wieder“– gegen Verfolgung und Ausgrenzung ein. Sie verteilten Ballons und Aufkleber mit den Schriftzügen „Cool, mein Lehrer ist schwul“ und „Wow, meine Lehrerin liebt 'ne Frau“. Auf Handzetteln wurde erklärt, dass es statistisch in drei von vier Schulklassen lesbische oder schwule Schüler*innen gibt und in fast jedem Kollegium schwule und lesbische Lehrkräfte, dass Kinder aus Regenbogenfamilien kommen, intergeschlechtlich oder trans* sind. Doch viel zu viele halten das lieber geheim.

AG LSBTI fordert Sichtbarkeit und Thematisierung

Damit ist die wichtigste Forderung der AG LSBTI im Bereich Schule angesprochen: Sichtbarkeit und Thematisierung von LSBTI in Lehrplänen, Büchern und Lernmaterialien sowie in der Lehrkräfteausbildung. Weitere Forderungen beziehen sich auf Anti-Diskriminierungsmaßnahmen: Umsetzung des für Lehrkräfte als Beschäftigte geltenden Schutzes des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG), Beschwerderechte und -stellen für Schüler*innen, sowie eine Studie zu Homo- und Transphobie an NRW-Schulen nach Berliner Vorbild.

Wie die Förderung der bewährten Aufklärungs- und Antidiskriminierungsprojekte im Bildungsbereich „SCHLAU“ und „Schule der Vielfalt“ fortgesetzt wird, bleibt nach dem Regierungswechsel in NRW zu beobachten. Die Projekte hatten ihre Arbeit in den vergangenen Jahren professionalisiert und ausgebaut, so dass die Schule der Vielfalt beispielsweise von drei auf 21 Projektschulen erweitert wurde und sich an der Ausbildung in den Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung beteiligt. Das wissen auch die Bildungspolitiker*innen der neuen Regierungskoalition.

Viel Zuspruch für die Kolleg*innen bei der Demo

Im Vergleich zu kleineren CSDs in Münster, Siegen, Düsseldorf oder Dortmund, wo sich die GEW auch beteiligte, ist die bundesweit größte CSD-Demo in Köln mit fast einer Million angereister Zuschauer*innen ein Heimspiel: Die Kolleg*innen erfuhren Zuspruch und Anerkennung vom Straßenrand wie „solche Lehrkräfte hätte ich mir damals gewünscht“. Ein Kollege, der aktuell an seiner Schule in einem anonymen Aushang homophob beleidigt wurde, bekam von Schüler*innen zur Unterstützung den „Cool, mein Lehrer ist schwul“-Aufkleber mitgebracht.

Nicht nur bei der Demo, auch auf den Bühnen und bei Empfängen wurden die aktuellen Entscheidungen im Bundestag über die Öffnung der Ehe und die Rehabilitierung der bis 1994 nach §175 verurteilten Schwulen als langjährig erkämpfte Erfolge gefeiert, die Hoffnung auf mehr gesellschaftlichen Akzeptanz geben. Dabei wurden auch deutlich die bitteren Aspekte des Themas benannt: dass die Eheöffnung nicht als selbstverständliche Frage der Gleichberechtigung daherkam – sondern scheinbar zufällig wie die Verkündung der DDR-Reisefreiheit und als Frage des Gewissens oder der politischen Taktik – und dass mit einer Änderung in letzter Minute ein besonders bitterer Tropfen konservativer Ideologie die Rehabilitierung vergiftete. Ein absurdes Fortleben des alten §175 durch eine höhere „Schutzaltersgrenze“ für homosexuelle Kontakte setzt das Ressentiment gegenüber den angeblichen Jugendverführern fort. Damit machen auch heute rechte Gruppen Stimmung. „Nie wieder!“ ist auch hier aktuell.

Die aktuellen Bundestags-Beschlüsse betrafen auch zwei von zwölf Forderungen der „Kölner Community“, die während der Demo immer wieder über alle Lautsprecher durchgesagt wurden. Dabei steht die Ehe für alle an zweiter Stelle hinter der weltweiten Einhaltung der Menschenrechte für LSBTI. An dritter Stelle folgt Vielfalt in der Bildungspolitik abbilden!

GEW NRW beim CSD in Dortmund

Am Samstag, dem 9. September 2017 wollen die homosexuellen Lehrkräfte sich an einer CSD-Demo in Dortmund beteiligen. Wer mitdemonstrieren möchte, Interesse am Erfahrungsaustausch über die Situation an der Schule hat, oder eine lokale Gruppe gründen möchte, wendet sich an die AG LSBTI.

Bodo Busch, AG LSBTI in der GEW NRW

So war der CSD 2017 in Köln